Donnerstag, 28. Juli 2016

Es gibt nicht "die eine richtige Trainingsmethode"

Liebe Leser,

es gibt nicht die eine richtige Traininsmethode oder den einen richtigen Weg. Diesen Satz hört man oft. Aber warum ist das eigentlich so?

Es mag einige richtige Wege für ein bestimmtes Pferd, zu einer bestimmten Zeit für ein bestimmtes Pferd-Mensch-Paar geben. Aber es gibt tatsächlich keine Methode, die immer und bei allen Pferden funktioniert.

Ich glaube, dass viele Menschen eine Trainingsmethode erlernen, oder häufiger sich eine Methode zum Lösen eines bestimmen Problems aneignen und glauben, sie auf jedes Pferd anwenden zu können. Sei es aus einem Buch oder bei einer "Clinic", man hat quasi gelernt "so macht man's, so funktioniert's".

Das gefährliche dabei ist, dass man aufhört dem Pferd zuzuhören. Und was bei einem Pferd Wunder bewirkt, kann bei einem anderen das Problem sogar noch schlimmer machen.



Wie ich nun auf dieses Thema komme?

Wenn ihr regelmäßige Leser meines Blogs seid, wisst ihr sicher, dass ich meine Serie "Pferdeimport" neu detailliert aufgelegt habe. Damals, zu Beginn meines Blogs, habe ich 3 Posts zu dem Thema erstellt, die ich jetzt in viele kleine Schritte aufgeteilt habe und mit viel mehr Hintergrundwissen und neuen Erkenntnissen im Detail für euch zusammenschreibe.

Beim Überdenken des Posts "Das Verladen nach dem Flug", kamen mir einige Gedanken in den Sinn. Ich habe zwar geschrieben, dass es viele Methoden gibt und dies meine persönlich liebste Methode ist, jedoch habe ich einen Punkt als selbstverständlich angenommen und gar nicht erwähnt.

Hier geht's zum alten Post

Diese Methode sehe ich in den meisten Fällen am passendsten, wenn es um das Verladen nach dem Flug geht. Im ersten Moment mag das selbstverständlich klingen, vor allem da es fett im Titel steht, aber einige Leute mögen vielleicht aus anderen Gründen darüber stolpern und denken "That's the way to go".

Der Grund warum ich mich entschieden hatte, diese Methode bzw. diesen Erfahrungsbericht über das Verladen nach dem Flug zu schreiben, hat mit dem Zustand des Pferdes in diesem Moment zu tun.

Denn: Wenn ich überlege, welchen Weg ich mit einem Pferd gehen möchte, welche Traingsmethode wohl aktuell die richtige für dieses Pferd sein mag, "befrage" ich zu aller erst das Pferd.

Das Pferd sagt euch, was richtig ist! 

Ich stelle mir also folgende Fragen:
  • Wie fühlt es sich, wie ist die Grundstimmung?
  • Wie reagierte es in der Vergangenheit auf ähliche Situationen?
  • Wie regiert es jetzt auf das, was ich beibringen oder erzielen möchte?
  • Und vor allem: Warum?

Auch hier muss man viele Details in Erwägung ziehen, herunterbrechen kann man es aber oft in zwei übergeordnete Auslöser:

  • Das Pferd hat einfach nur Angst
  • Es hat bereits einmal gelernt es "falsch" zu machen, oder dass es stärker ist und zeigt vielleicht auch anderweitig ein "kein Bock"-Verhalten.

Hier seht ihr Traveler, etwas besorgt, aber schon am "nachdenken". Ich erinnere mich gut an diesen Tag. Traveler ist eine echte Wasserratte, er liebt es zu schwimmen, dies war jedoch das erste mal, dass er nicht ins Wasser geführt wurde, sondern ich schon oben drauf saß. Er war also besorgt, etwas ängstlich, so ins Wasser zu gehen, nicht einfach nur widersetztlich.

Beim Verladen nach dem Flug haben Pferde meistens Angst, nicht vor dem Verladen oder dem Hänger ans sich, sondern vor dem Gedanken, wieder für eine so lange Zeit von vielleicht 10 Stunden eingepfärcht zu sein. Hinzu kommt der Jet-Lag, die Müdigkeit und Unlust sich aus der erstmal sicheren Umgebung zu bewegen.

Es kann aber auch trotzdem andere Auslöser geben. Deswegen sollte man sich immer wieder die vier oben genannten Fragen stellen und sein Pferd beobachten.
An der Körpersprache kann man erkennen, ob das Pferd Angst hat oder sich aus anderen Gründen widersetzt. Ich hab vielleicht nicht die aussagekräftigsten Bilder aber hier mal ein Vergleich:

Links: Calando sagt: "Ich will aber nicht, dass ist mir zu anstrengend!", macht aber trotzdem halbwegs mit. Rechts: Calando sagt: "Huch, was ist das denn? Ist es gefährlich?", und ist besorgt.


Ein Beispiel

Zum Schluss habe ich noch ein Beispiel für euch, warum es fatal sein kann, einfach eine Methode zu wählen ohne einzubeziehen, aus welchem Grund das Pferd eine eurer Fragen ablehnt.

Verladet ihr ein Pferd, dass z.B. gelernt hat "Immer wenn ich vor dem Anhänger steige und zurückziehe, lassen meine Menschen es irgendwann gut sein. Sie sind nicht stark genug um mich zu halten und geben irgendwann auf.", dann würde ich dem Pferd klar machen, dass dies nicht die richtige Antwort ist. Ich würde ihm das ungewünschte Verhalten schwer machen, es forsch zurück schicken, arbeiten lassen (z.B. Longieren, enge Wendungen gehen lassen etc.) und erneut fragen, ob es nicht doch findet, dass es einfacher wäre ruhig vor dem Anhänger zu stehen und schließlich einzusteigen, weil ich es dann in Ruhe lasse.

Würde ich das bei einem Pferd machen, das gerade Todesangst hat, würde ich es damit nur noch viel mehr verunsichern. Wenn es zurück zieht, würde ich es einfach zurück gehen lassen, den Druck am Strick vielleicht beibehalten aber nicht verstärken. Ich würde es langsam selbst herausfinden lassen, dass es sich nicht in einer auswegslosen Situation befindet, bei dem es Todesangst empfinden müsste. So, wie wir es zum Beispiel bei Sparky gemacht haben.

Diese Methode widerum angewendet auf das zuerst beschriebene Pferd, würde es nur darin bestätigen, dass es mit seinem Verhalten durch kommt.


Ich hoffe dieses Beispiel hilft euch zu sehen, dass es wichtig ist, auf jedes Pferd und jede Situation individuell einzuehen.

Welche Beispiele kommen euch in den Kopf, wenn ihr an dieses Thema denkt? Habt ihr sogar selbst schon einmal eine solche Situation erlebt?


Erzählt es doch in einem Kommentar unter dem Post oder schreibt mir auf Facebook!

Bis zum nächsten Mal,

Nina

Zum Weiterlesen:

Den Beitrag von Dietmar von "Pferdekult" kann ich genau so unterschreiben!

Petra von "Pferdeflüsterei" hat darüber geschrieben, dass es auch nicht die eine richtige Reitweise oder Trainingsmethode gibt.

Christina von "Herzenspferd" erklärt, warum es nicht einfach eine Gebrauchsanweisung für Pferde gibt .

Anja von "Lehrmeister Pferd" findet auch, dass man Pferd- und Situationbedingt seine "Lautstärke" anpassen muss.

Stine von "Motivation und Spaß durch positives Pferdetraining" hat hier noch einen Artikel zum Thema Körpersprache und Kommunikation für euch.

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